Verleihung des Karl-Wilhelm-Fricke-Preises 2026
- Eastplaining Blog
- vor 13 Stunden
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Am 11. Juni 2026 wurde uns in Berlin der Nachwuchspreis des Karl-Wilhelm-Fricke-Preises 2026 von der Bundesstiftung Aufarbeitung verliehen. Um uns auch bei unseren Lesenden zu bedanken, möchten wir hier unsere in Berlin gehaltene Dankesrede samt einiger Bilder posten.
Danke an alle, die uns unterstützen!
Hier könnt ihr die Preisverleihung auf YouTube anschauen.
Und hier geht es zum Video über Eastplaining der Bundesstiftung Aufarbeitung.


Vor zwei Wochen fragte Weronika mich, ob wir denn in Berlin eine Rede halten würden. Ich, in aller Naivität, meinte, “Nein, bestimmt nicht”. Eine Woche später stand dann in der letzten großen Info-Mail, dass man sich auf unsere Rede freuen würde! Ich war baff.
2023 ist unser erster Post auf Weronikas Sofa in Erfurt entstanden, als wir noch in Thüringen studierten. Seitdem haben wir alle paar Wochen Formulierungen gesucht, Verlinkungen eingefügt, Kommas falsch gesetzt und mehr schlecht als recht Instagram-Kacheln formatiert. Wir haben über alle Themen geschrieben, die uns eingefallen sind: über Theatererlebnisse, über Weihnachtsmärkte, über die Leipziger Buchmesse, über Vita Cola. Außerdem über Strukturwandel, über gerechtes Erben, über Hausbesitz, Gedenkstätten und, ja, über die AfD.
Wenn man sich unsere Titel auf dem Blog anschaut, steht da oft “Ost”, also Ost-deutsch, Ost-Identität, Osten. Aber so, wie ich die Themen gerade aufgezählt habe, ist da gar nicht so viel “Ost” drin. Stattdessen sind es Themen, die uns alle angehen, wenn wir gemeinsam über Vergangenheit und Zukunft in dieser Gesellschaft nachdenken.
Weronika hat vor einer Weile mal alle Texte auf dem Blog ausgedruckt, damit ihre Großeltern sie lesen können. Es war verrückt, den Blog auf einmal als schweren Papierstapel in der Hand zu halten und durchzublättern. Am Anfang unserer Blogschreiberei haben wir vor allem als Reaktion geschrieben: wir wollten reagieren auf Vorurteile, auf Abstempelungen, auf abfälliges “Diese Wohnblöcke sind ja schon irgendwie hässlich”, oder auf skeptisches “Das hat doch mit dir nichts mehr zu tun” Mittlerweile haben wir unsere eigenen Stimmen gefunden. Wir schreiben nicht mehr nur als Reaktion auf andere, sondern haben das Selbstbewusstsein, unsere eigenen Akzente im Ost-West-Diskurs zu setzen. Das wäre ohne die Unterstützung von ganz vielen Menschen nicht möglich gewesen.
Wir möchten uns zuerst bei der Bundesstiftung Aufarbeitung und der Jury des Karl-Wilhelm-Fricke-Preises dafür bedanken, dass Sie unsere Arbeit würdigen. Diese Auszeichnung und die damit verbundene Wertschätzung bedeutet uns wirklich viel und bestärkt uns sehr für die Zukunft - gerade auch für die nächste Zeit. Ganz wichtig sind natürlich auch unsere Lesenden: was wäre ein Blog ohne sie! Danke, dass Ihr Euch Zeit nehmt, selbst wenn wieder mal ein Text etwas zu lang geraten ist. Danke vor allem, wenn Ihr Euch bei uns meldet, mit Themenideen, Feedback, eigenen Meinungen oder Eurem Wissen zu einem Thema. Und natürlich auch ein riesiges Dankeschön an alle anderen jungen Ostinitiativen, mit denen wir in den letzten Jahren zusammengekommen sind, mit denen wir viel gelacht und von denen wir viel gelernt haben. Es soll noch mal jemand behaupten, Ostdeutsche könnten nicht netzwerken.
Wir möchten uns außerdem bei unseren Familien, Freundinnen und Freunden bedanken, die von Anfang an an unser Projekt geglaubt und uns darin bestärkt haben, über den Osten zu schreiben. Und, nicht zu vergessen, bedanken Hanna und ich uns beieinander fürs gegenseitige Korrekturlesen der Beiträge, die mentale Unterstützung und die Freundschaft.
Während wir in aller Freiheit schreiben und teilen können, was wir möchten, sind unsere Eltern und Großeltern in der SED-Diktatur und in der Volksrepublik Polen aufgewachsen. Sie durften nicht frei wählen, sprechen, schreiben und über ihre Zukunft entscheiden, ohne mit teils schlimmen Konsequenzen rechnen zu müssen. Wir sind ihnen und all jenen dankbar, die trotz aller Widrigkeiten ein gerechtes Leben im ungerechten System führen wollten und sich in der Wendezeit für eine bessere Zukunft für sich und ihre Kinder einsetzten. Die Demokratie, in der wir leben dürfen, ist für uns nicht selbstverständlich. Umso mehr freut es uns, nach den Schwierigkeiten, die unsere Familien in der Diktatur erfahren haben, nun den Karl-Wilhelm-Fricke-Preis in der Nachwuchskategorie zu erhalten.
Wir freuen uns darüber, mit dem Preisgeld unsere Website für mehrere weitere Jahre finanzieren zu können und mit Eastplaining auf diese Weise weiterhin unabhängig zu bleiben. Wir möchten, dass unsere Texte frei zugänglich für alle sind.
Für die Zukunft wünschen wir uns, mit unserem Blog immer weiter einen Beitrag zu einem demokratischen, differenzierten Diskurs leisten zu können. Aber von allen, die uns zuhören und lesen, wünschen wir uns auch: Bleibt nicht in euren Blasen, so bequem es auch sein mag. Wenn wir uns immer nur mit uns selbst unterhalten, mag das zwar positiv bestärkend wirken, bringt uns auf lange Sicht als Gesellschaft jedoch nicht weiter. Infrastruktur, Bildungspolitik und gerechte Verteilung sind nötig, aber auf basaler Ebene zählt auch das Miteinander: für eine gerechte und solidarische deutsch-deutsche, europäische und globale Zukunft.
Vielen Dank!
Hanna und Weronika
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